Medienkompetenz


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Begriffsursprung
Von Medienkompetenz sprach erstmals Dieter Baacke in seiner Habilitationsschrift von 1973. Baacke nutzte zu dieser Zeit allerdings noch den Begriff der „kommunikativen Kompetenz“, jedoch liegt darin der Anfang des Kompetenzbegriffes in der Medienpädagogik.

Dem Kompetenzbegriff – ursprünglich aus der Biologie stammend – wurde von dem Linguisten Noam Chomsky die Bedeutung zu geordnet, dass der Mensch über eine grundlegende Sprach-kompetenz verfügt. Damit ist gemeint, dass der Mensch die Fähigkeit besitzt, eine unbegrenzte Anzahl von Sätzen und Aussagen hervorzubringen. Dabei kann er deren Sprachrichtigkeit selbstständig entscheiden (vgl. Vollbrecht 2001, 53ff). Dem ist hinzuzufügen, dass von dieser Grundkompetenz ausgehend eine Art Verfeinerung durch Sozialisation stattfindet, diese kann kulturell- und milieuspezifisch sehr unterschiedlich ausfallen. Diese Erkenntnis inkludiert , dass die Weiterentwicklung und der Ausbau von Kompetenz positiv beeinflussbar sind.

„Kommunikative Kompetenz“ setzt sich aus Sprachkompetenz und Verhaltenskompetenz zusammen und sie wird jeder Art der Kommunikation, also auch der Medienkommunikation, unterstellt. Diese „Kommunikative Kompetenz“ wurde schließlich als Medienkompetenz verstanden, jedoch nicht immer exakt in deren Sinne verwendet. Oftmals bezieht sich der Begriff auf eine medienpädagogische Zielstellung „bei der aus einer vornherein gegebenen Kompetenz nun ein Bündel von Fertigkeiten wird, das Kinder, Jugendliche und auch Erwachsene sich anzueignen hätten, um `kompetent` mit Medien umgehen zu können.“ (Vollbrecht 2001, 57). Es soll aber „nicht um den Erwerb konkreter Handlungsmuster , sondern um den Erwerb kognitiver Strukturen“ (ebd., 57) gehen.

Den Begriff Medienkompetenz verstand auch Baacke (1997) aus folgenden Gründen als recht schwerwiegend: er beinhaltet zwei Ebenen: zum einen die anthropologische Voraussetzung und zum anderen einen Zielwert der Medienpädagogik. „Die Voraussetzung besteht in der Annahme, daß alle Menschen kompetente Lebewesen sind und damit ihre Kompetenzen umfassend gefördert werden müssen; der Zielwert besteht in der Förderung dieser Ausstattung. Er bleibt insofern `formal`, weil heute darauf verzichtet werden sollte, normative Zielkriterien festzulegen.“ (Baacke 1997, 98).

Begriffsdefinitionen
Im Sinne Baackes bedeutet medienkompetent zu sein, auf vier verschiedenen Ebenen Kenntnisse zu besitzen. Diese Kenntnisse lassen sich zusammenfassen als Wissen über Medienangebote; Anwendungsfähigkeit dieses Wissens; Fähigkeit kritisch mit diesem Wissen umzugehen sowie aus diesem Wissen heraus eigenes kreatives und innovatives (Medien-)verhalten zu entwickeln.
In den vier folgenden Kategorien spezifizierte Baacke den Begriff der Medienkompetenz:
Medienkritik und Medienkunde umfassen die Dimension der Vermittlung von Medien. Die Dimension der Zielorientierung, im Handeln der Menschen liegend (also der gezielte Umgang/ die gezielte Nutzung von Medien), werden von den Kategorien Mediennutzung und Mediengestaltung umfasst.
Was meinen diese Kategorien nun im Einzelnen?
Die Fähigkeit zu Medienkritik wird in drei Dimensionen unterteilt, in die analytische – es sollen problematische gesellschaftliche Prozesse erfasst werden können, in die reflexive – jeder Mensch sollte das analytische Wissen auf sich selbst und die Gesellschaft anwenden können und in die ethische Dimension um das analytische Denken und das reflexive Handeln sozialverantwortlich abzustimmen.
Die Medienkunde, die das Wissen über heutige Medien und Mediensysteme umfasst, wird zweifach ausdifferenziert. Es gibt die informative Dimension, die klassische Wissensbestände umfasst und es gibt die instrumentell-qualifikatorische Dimension, die die Fähigkeit meint, neue Geräte bedienen zu können.

Die Mediennutzung wird ebenfalls in zwei Bereiche eingeteilt: zum einen ist sie rezeptiv, anwendend – so dass man z.B. ein Computerprogramm für die eigenen individuellen Zwecke nutzen kann, man hat quasi eine Programm-Nutzungskompetenz und zum anderen ist sie interaktiv, anbietend – das meint man hat die Möglichkeit antworten zu können, z.B. auf Forenbeiträge oder in diversen Bloggs.
Mediengestaltung lässt sich gleichfalls splitten: zum einen ist sie als innovativ und zum anderen als kreativ zu verstehen (vgl. Baacke 1997, 98f).

Mikos fasste unter www.medienpaedagogik-online.de/mk/00386/ diese Kategorien wie folgt zusammen: „Im wesentlichen geht es um Fähigkeiten, die medialen gesellschaftlichen Prozesse analytisch durchdringen und reflexiv auf das eigene Handeln anwenden zu können und dies unter ethischen, sozialverantwortlichen Gesichtspunkten, um den Erwerb von Wissen über die Zusammenhänge des Mediensystems sowie über Fähigkeiten zur technischen Handhabung von Mediengeräten zu fördern und um den Erwerb von Fähigkeiten sowohl zur rezeptiven als auch interaktiven Mediennutzung und von Fähigkeiten zur innovativen und kreativen Mediengestaltung zu unterstützen.“

Es gibt zu den vorgestellten Ausdifferenzierungen von Medienkompetenz noch eine Reihe anderer wissenschaftlicher Betrachtungsweisen, auf die hier lediglich hingewiesen werden soll, zu denen jedoch keine detaillierte Erörterung – da Rahmensprengend - stattfindet.
Pöttinger (1997) unterscheidet z.B. zwischen Wahrnehmungskompetenz (Medien sollen in ihrer Struktur und Gestaltungsform, sowie den Wirkungsmöglichkeiten durchschaut werden), Nutzungskompetenz (angemessene und zielgerichtet Nutzung von Medien) und Handlungskompetenz (aktive Gestaltung von Medien gemäß der eigenen Persönlichkeit, dem eigenem Interesse und Anliegen).
Spanhel (2002) meint, dass schon in früher Kindheit der Umgang mit Medien gegeben ist, da Kinder in einer Welt, die aus Zeichen besteht, aufwachsen. Kinder werden mit verschiedenen Mediensystemen konfrontiert und müssen das erste mal in „ der Geschichte der Menschheit völlig neue Entwicklungsaufgaben bewältigen.“ (ebd., 2). Er meint damit neben dem Erlernen der Sprache das Erlernen anderer Formen des Zeichengebrauchs (wie Lesen, Schreiben und den Umgang mit neuen Medien). Spanhel (2002, 4) geht davon aus, dass Kinder so eine grundlegende Medienkompetenz aufbauen, die „aus einem System von Wahrnehmungs-, Gefühls-, Rezeptions-, Wertungs- und Handlungsmustern [besteht] die sich durch tausendfache Wiederholung in den Jahren der frühen Kindheit in spezifischen Formen stabilisieren.“ Da diese individuellen Erfahrungen aber durchaus problematisch seien können, sollte dieses zufällige Lernen von Kontext durch bewusste Medienerziehung Ergänzung finden.
Schorb (1997) zählt zur Medienkompetenz folgende Dimensionen: Orientierungs- und Strukturwissen, kritische Reflexivität, Handlungsfähigkeit und die Fähigkeit einer sozialen kreativen Interaktion.
Wie zu erkennen ist, zeigt der Vergleich der vorgestellten Konstrukte, wie komplex und schwer einzugrenzen eine Ausdifferenzierung des Begriffes ist. Um so wichtiger ist es, den Begriff in der konkreten Medienarbeit mit Leben und Bedeutung zu füllen.
Die Vermittlung des Konzeptes der Medienkompetenz (egal mit welcher der genannten theoretischen Auseinandersetzung als Hintergrund) methodisch, praktisch und didaktisch zu organisieren, scheint die eigentliche Herausforderung in der medienpädagogischen Arbeit zu sein.

Verwendete Literatur
Baacke, D. (1997): Medienpädagogik. Tübingen.
Pöttinger, I. (1997): Lernziel Medienkompetenz. Theoretische Grundlagen und
praktische Evaluation anhand eines Hörspielprojekts. München.
Spanhel, D. (2002): Medienkompetenz als Schlüsselbegriff der Medienpädagogik? In: forum medienethik 1/2002: Medienkompetenz - Kritik einer populären
Universalkonzeption. München. 48-53
Schorb, B. (1997): Medienkompetenz. In: Grundbegriffe Medienpädagogik,
München. 234-240
Vollbrecht, R. (2001): Einführung in die Medienpädagogik. Weinheim und Bassel.

Internet:
Mikos, L.: www.medienpaedagogik-online.de/mk/00386/
Zugriff: 21.03.2006
http://www.mediaculture-online.de/Medienkompetenz.356.0.html

Zugriff: 21.03.2006.

©Marlen Beyer 2006